Alle reden über die Mobilität von morgen: »Beweg Dein Quartier« will sie gemeinsam mit den Menschen vor Ort im Essener Nord­viertel und Umgebung ausprobieren und neu denken. Das Projekt will mehr Raum für Menschen und Bewegung wie Begegnung schaffen, die Lebensqualität im Quartier steigern, Projekte unterstützen und sichtbar machen, AkteurInnen zusammen­bringen, Impulse für die Mobilität der
 Zukunft setzen.

 

Im Mittelpunkt stehen das Testen neuer Möglichkeiten der Mobilität im Alltag und temporärer Veränderungen im öffentlichen Raum. Gemein­sam mit den Menschen vor Ort, der Wissenschaft, Verwaltung und Unternehmen wollen wir im September 1 Monat Zukunft in puncto Mobilität im Nordviertel proben und in einer Workshopreihe anschließend eine Agenda für die Zukunft des Quartiers erarbeiten.

Wie bewegst du Dich im Nordviertel und seiner Umgebung? Wo hakt’s? Was brauchst Du in Deiner Gegend? Mach mit bei der Onlinebeteiligung und erzähle uns, was Du Dir für Dein Viertel wünschst!

Nordviertel und Umgebung

Der Fokus von »Beweg Dein Quartier« liegt auf dem Essener Nordviertel und seiner Umgebung. Das Quartier wurde ganz bewusst aufgrund seiner diversen Herausforderungen in puncto Mobilität und der Vielschichtigkeit seiner Nutzungen und AkteurInnen ausgewählt. Dabei ist die Gebietseingrenzung grundsätzlich unscharf gehalten, um Verknüpfungen sichtbar zu machen und um zu verhindern, dass interessante und wichtige Orte von vornherein ausgeschlossen werden. Hinweise, die zu Orten eingehen, die zu weit vom Projektgebiet entfernt liegen, werden gebündelt weitergeleitet, können aber nicht innerhalb von »Beweg Dein Quartier« berücksichtigt werden.


Mehr Informationen zum Projektgebiet gibt es weiter unten unter »Fakten und Fragen zum Projekt«

Vor-Ort-Termine im Quartier

Viehofer Str. / Ecke Kreuzeskirchstraße
Di., 14.7., 15 – 18 Uhr

Viehofer Str. / Ecke Pferdemarkt
Fr., 24.7., 15 – 18 Uhr

Eltingstraße / Ecke Theodorstraße
Do., 30.7., 15 – 18 Uhr

Mitte der Grüne Mitte
Mi., 5.8., 15 – 18 Uhr

 

Sprechstundentermine

Begegnungszentrum Weberplatz 3
Di., 21.7., 16 – 18 Uhr

Ehrenamt Agentur, Viehofer Straße 39
Mo., 27.7., 16 – 18 Uhr

Projektablauf

14. Juli – 10. August 2020

Vier Wochen Beteiligung zu Raumwahrnehmung und -nutzung sowie gezielte Präsenz vor Ort

14. Juli – 10. August 2020
August 2020

Ausstellung der Beiträge

August 2020
September 2020

1 Monat Zukunft:
Online-Hackathon zur
Ideen-Entwicklung und Markt der Möglichkeiten zum Ausprobieren
neuer Mobilitätsmodi

September 2020
Oktober bis Dezember 2020

Agora: Gemeinsame Auswertung von 1 Monat Zukunft und Aufsetzen einer Agenda-Map mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen fürs Quartier

Oktober bis Dezember 2020

Fakten und Fragen zum Projekt

Das Projektgebiet setzt sich zusammen aus der nördlichen Innenstadt („City Nord“), dem neuen Universitätsviertel („Grüne Mitte“) und dem südöstlichen Bereich des Nordviertels in Essen. Diese drei Bereiche bilden ganz unterschiedliche Nutzungen, Bevölkerungen und Problemlagen ab. Zudem sind die drei Bereiche durch große Verkehrsachsen wie die Gladbecker Straße, die Friedrich-Ebert-Straße und die Schützenbahn getrennt bzw. begrenzt – hier zeigen sich typische Strukturen und Barrieren innerstädtischer Verkehrsachsen. Im Projektgebiet lassen sich somit allgemeine Herausforderungen der Verkehrs- und Mobilitätswende wie unter einem Brennglas beobachten und punktuell im Rahmen des Beteiligungsprozesses bearbeiten.

  • Eltingviertel: Wohngebiet im südöstlichen Teil des Nordviertels mit vielen Gründerzeithäusern. Westlich erstreckt sich das Gelände von RWE, auf das der Hauptsitz des Unternehmens verlagert wurde, sowie im südwestlichen Teil des Stadtteils die Universität Duisburg-Essen mit angrenzenden Wohngebieten.

  • Nördliche Innenstadt „City Nord“: Nördlicher Teil des Stadtkerns ab dem Kennedyplatz bzw. dem Kornmarkt. Sie umfasst das Gebiet zwischen Schützenbahn, Fontänengasse, Kopstadtplatz, Gänsemarkt und Friedrich-Ebert-Straße. Das Quartier bietet eine funktionale Vielfalt aus lokalem Einzelhandel, Gewerbe und Wohnen und zeichnet sich durch eine buntgemischte, eher junge Bevölkerungsstruktur sowie Kreativpotential aus.

  • Neues Universitätsviertel bzw. „Grüne Mitte“: Neue Siedlung mit Wohn- und Arbeitsraum rund um eine große Parkanlage mit Rasenflächen, Spielplatz, Sitzmöglichkeiten sowie Wasserbecken genau zwischen der nördlichen Innenstadt und der Universität Duisburg-Essen. Im Bereich zwischen Universität, Eltingviertel und Grüner Mitte endet derzeit der Radschnellweg 1, der von Mülheim an der Ruhr bis zur Grünen Mitte in Essen befahrbar ist und an dieser Stelle Richtung Osten weitergeführt werden soll.

Koordiniert und durchgeführt wird das Projekt vom Forschungsbereich Partizipationskultur des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) gemeinsam mit dem Hamburger Stadtentwicklungsbüro urbanista. Die Grüne Hauptstadt Agentur der Stadt Essen sowie das Amt für Stadtplanung Offenbach sind in den jeweiligen Städten als Praxispartner vor Ort beteiligt.

»Beweg Dein Quartier« wird finanziert durch die Förderung des Bundesumweltministeriums (BMU) im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI), um einen Beitrag zur Erreichung der nationalen Klimaschutzziele zu leisten.

Unsere Städte werden immer dichter, die Flächen härter umkämpft – dabei sind die Verkehrssysteme bereits heute an vielen Stellen überlastet. Hinzu kommen globale Trends wie die digitale Transformation oder soziale Polarisierung, die Städte und Kommunen schon jetzt entscheidend beeinflussen. Die Mobilität spielt eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung dieser Herausforderungen, ihre zukunftsfähige Entwicklung scheint die Frage zu sein, die sich den Städten und Quartieren so drängend wie kaum eine andere stellt. Dabei ist die Zielsetzung meist klar: Kompakt, mobil, grün, durchmischt, lebenswert, barrierefrei und emissionsarm mit Platz für Begegnung und Miteinander – so sehen die Quartiere der Zukunft aus. Nur der Weg dahin gestaltet sich schwierig. Etablierte Praktiken fehlen und Topdown-Strategien sind selten nachhaltig erfolgreich – hier setzt Beweg Dein Quartier an.

Download Kurzpapier

Im Laufe des Prozesses haben die BewohnerInnen und lokalen AkteurInnen im Rahmen verschiedener Formate die Möglichkeit, ihre Einschätzungen zum Status quo der Mobilität und Lebensqualität im Stadtteil zu geben sowie gemeinsam Mobilitätspraktiken zu diskutieren, zu entwickeln und auszuprobieren. Sprechstunden sollen Interessierten die Möglichkeit geben, Unterstützung für angestrebte Praktiken zu erhalten und sich analog zu beteiligen. Im Rahmen der Online-Beteiligung zur »Beta-Agenda-Map« können die BewohnerInnen die Projektideen kommentieren und priorisieren und sind so unmittelbar an der Erarbeitung der finalen Agenda-Map für das Projektquartier beteiligt.

Die Beiträge zu den Stärken und Schwächen des Quartiers sowie zu Ideen und Lösungsansätzen, die während der Veranstaltungen online wie vor Ort gesammelt werden, werden gebündelt und ausgewertet und als wichtige Basis der Diskussionen dem Hackathon zugrunde gelegt. Die Beiträge anderer Teilnehmender sind auf der Homepage einsehbar, um die Ergebnisse so transparent wie möglich zu machen. Die Ergebnisse der zweiten Online-Beteiligungsrunde fließen in die finale Erarbeitung der Agenda-Map ein. Die fertige Agenda-Map wird veröffentlicht und unter anderem online auf der Projektwebseite von Beweg Dein Quartier zur Verfügung gestellt.

Die Agenda-Map wird als qualifizierte Ideen- und Konzeptsammlung dem Essener Stadtrat und der Verwaltung übergeben. Sie ist als inhaltlich verhandelbare Willensbekundung zu verstehen und ein Beleg dafür, dass die Stadt Essen Vorreiter für co-kreative Transformationsprozesse in Mobilität und Stadtentwicklung ist. Die Verbindlichkeit oder die Realisierungsmöglichkeiten der im Prozess eingehenden Ideen und Konzepte ist eine Frage späterer politischer Entscheidungen und Beschlusslagen.

Das Projekt verfolgt das Ziel, das Thema (Quartiers-)Mobilität und Mobilitätskultur stärker auf die politische Agenda zu setzen und Kooperationen der AkteurInnen im Gebiet zu fördern. Besonderer Mehrwert liegt auch im Austausch mit der Projektpartnerstadt Offenbach. So machen sich beide Städte auf den Weg, nationale Vorreiterinnen für eine gelungene Mobilitätswende auf Quartiersebene zu werden und können den Grundstein legen und Anstoß für weitere Planungen zur Mobilität im Quartier sein – noch bevor konkrete Projekte vorliegen.

Die Online-Beteiligung dient erst einmal als Ideensammlung und Bestandsaufnahme zur Raumwahrnehmung und Raumnutzung im Essener Nordviertel und Umgebung. Beim »Hackathon« werden konkrete Projektideen für das Quartier entwickelt – aus den Erfahrungen, die mit den Praktiken gemacht wurden und der Auswertung der Online-Beteiligung. Hier diskutieren BürgerInnen mit FachexpertenInnen: Welche Bedarfe sind im Quartier präsent, um mehr Lebensqualität zu erreichen? Welche Lösungen passen für das Quartier? Mit welcher Strategie erreichen wir die Ziele? Der Hackathon erfolgt in drei Schritten:

  1. Die Ergebnisse und Erfahrungen des Beteiligungsprozesses werden zusammengefasst und gemeinsam mit den TeilnehmerInnen reflektiert und verdichtet.

  2. Die präferierten Ansätze werden anschließend gemeinsam mit ExpertInnen beleuchtet. Dazu erfolgt eine Ortsbegehung im Quartier, um die Ideen und Ansätze vor Ort zu prüfen. Die ExpertInnen geben Hinweise zur weiteren Bearbeitung und helfen den TeilnehmerInnen des Workshops bei der weiteren Ausgestaltung ihrer Ansätze.

  3. Im dritten Schritt folgt in einem weiteren Online-Dialog die Ausarbeitung von Grobentwürfen für die Agenda-Map, eine übergeordnete Vision mit Entwicklungskorridoren für die Mobilität des Projektgebiets.

Die ausgearbeiteten Vorschläge werden in einer zweiten Beteiligungsrunde der Öffentlichkeit präsentiert. Diese kann die Projekte kommentieren und priorisieren. Die Ergebnisse werden im Anschluss als sogenannte Agenda-Map festgehalten. Diese dokumentiert die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses und zeigt die gemeinsam gewählten Lösungsansätze und Strategien für das Quartier für mehr Lebensqualität und nachhaltigere Mobilität auf. Dieses Dokument wird anschließend an die Stadtverwaltung und den Stadtrat übergeben.

Siezen oder Duzen ist eine äußerst heikle Frage. Wir haben uns bei Beweg Dein Quartier für das freundschaftliche „Du” entschieden. Die persönliche Ansprache wird bereits im Namen des Dialogs und auch in den weiteren Kommunikationsmedien verwendet. Die direkte Ansprache soll auffordernd wirken, selbst Position zu beziehen und zu handeln. Unsere Erfahrungen aus vielen anderen Dialogverfahren haben gezeigt, dass das persönliche „Du” die Distanz verringert und so die Kommunikation erleichtert. Wir wollen natürlich niemanden ausgrenzen oder unhöflich wirken. Und in den direkten Gesprächen auf unseren Veranstaltungen und an den Dialogständen siezen wir die Menschen selbstverständlich.